Armer Köhler

Diese Geschichte hat mir Hartmut Bisinger (dr Seehas) beigesteuert, herzlichen Dank dafür.

Geschichte eines armen Köhlers

Es war einmal ein Köhler. Er arbeitete an seiner Kohlstatt tief im Wald. Genau so wie es die anderen Köhler auch übers Jahr so taten.

Die Arbeit war schwer doch er beklagte sich nicht. Er sammelte das Holz und schlichtete es zu einem Meier, bedeckte diesen mit Streu * und tat Lösch* darauf, auf dass er gut schwelen möge.

All diese Arbeit tat er Jahr ein Jahr aus ganz alleine und ohne zu murren. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm und seinen

800 Köhlerkollegen in der Gegend. Denn damit war es nicht getan! Im Gegenteil begann der wahre Aufwand erst jetzt!

Immer wenn der Meiler nach tagelanger Arbeit errichtet worden war, war es ihm auferlegt, eine eine Blasmusik zu finden und Trachtengruppen, die ihn beim feierlichen Anzünden im Wald freudig unterstützen würden. Schlimmer noch: Der für die Zeremonie notwendige Priester war kaum

für einen Termin zu finden – war er doch dauernd unterwegs bei seinen Köhlerkollegen um deren Meiler mit einem kleinen Gottesdienst zu segnen.

Es war zur damaligen Zeit bis zum heutigen Tage ein Frevel, den Meiler zu entfachen ohne dass nicht ein Pfarrer den schwarzen Haufen mit Gottes Segen erdacht hatte. Auch ohne eine Ansprache des Bürgermeisters war es kaum möglich, den Meiler zu entfachen – denn nur durch seine Anwesenheit würde seit Alters her der Zunder Feuer fangen und die Glut entfachen. So ging es Jahr für Jahr und immer wartete der Köhler im Wald auf seine Gäste um den Meiler zu betreiben.

Eines Tages war es dem Köhler aber zu viel. Er lud weder den Bürgermeister ein, noch hielt er einen Gottesdienst an seiner Kohlstatt. Auch die oberbayerische Trachtengruppe wusste nichts von seinem Vorhaben – ja nicht einmal er selbst steckte sich in seine Köhlertracht, bestehend aus Zimmermannshut und -hosen, sowie dem traditionellen, weit geschnittenen Polyesterüberwurf. Auf die Hüpfburg und den Ochsen am Spieß verzichtete er diesmal ebenso wie auf die Jagdhornbläser aus der Nachbargemeinde und den obligatorischen Landtagsabgeordneten.

Ganz allein stand er auf seinem Meiler, spukte in die Hände und dachte sich: „Wädd scho brenna, der Kamerad.“ Und siehe da! Wie durch ein Wunder entzündete sich das Holz und der Meiler schwelte, ganz wie es der Köhler gewohnt war. Nach ein paar Tagen – der Meiler war fertig – stieg die Spannung in der Brust des Köhlers ins Unermessliche. Würde die Kohle verbrannt sein? Oder würde er gar etwas gänzlich anderes ernten als Holzkohle? Vielleicht kämen ja nur Brandler heraus, die bis in den Giebel reichen würden! Schlimmstenfalls würde der Leibhaftige vor ihm stehen und ihn in den Höllenschlund reißen!

Gespannt öffnete er die Lösch, tat die Streureste beiseite und grub sich in den noch heißen Meiler. Im Schweiße seines Angesichtes stand er mit weit geöffneten Augen vor seinem Werk.

Und siehe da! Der Meiler war derselbe wie all die anderen auch, die er vorher entzündet hatte. Die Kohle hatte die gleiche Qualität und Menge wie sonst auch und auch der Beelzebub sprang ihm nicht entgegen.

Von nun an tat er es immer so. Selbst der Bürgermeister dankte ihm, da er nicht immer die beschwerliche Reise in den Wald unternehmen musste.

Allein der Priester war nicht begeistert – bekam er für sein Erscheinen doch immer freie Kost und Logis und einen Sack der Holzkohle vom letzten Meiler.

Und der Köhler entfachte Meiler für Meiler und gewann beste Holzkohle – ganz wie seine vom HERRN gesegneten Köhlerkollegen. Und so schwelten seine Meiler und er saß allein an seinem Lagerfeuer und schaute in die Sterne. Und wenn er nicht gestorben ist, dann sitzt er da noch heute.